Bilder vom Einsturz des Hist. Stadtarchiv Severinstrasse, Köln am 3.3.2009
Einsturz des Stadtarchivs – Löschgruppe Flittard eine Woche im Dauereinsatz
Die Einsatzuniform war nach dem Großfeuer am Vormittag auf dem Gelände der Bergischen Löwenbrauerei noch nicht ausgezogen, als der Meldeempfänger am Dienstag, den 3. März gegen 14:40 Uhr erneut auslöste. Diesmal wurde die Schleife GESAMTALARM ausgelöst, was bedeutete, dass etwas Größeres passiert sein musste. Auf dem Display war nur etwas von EINSTURZ und die Baustellenbezeichnung der U-Bahn-Baustelle zu lesen. Am Gerätehaus eingetroffen, bemerkte man schon anhand des völlig überlasteten Funkverkehrs, dass es sich um ein Großschadenereignis handeln musste. Über Funk hörte man, dass viele Einsatzkräfte auch aus dem Kölner Umland unterwegs in die Südstadt waren. Zunächst erhielten wir die Anweisung, der LST via Telefon oder FAX die aktuelle Mannschaftsstärke durchzugeben, damit der Führungsstab einen Überblick über die zur Verfügung stehenden Kräfte hatte.
Als erstes ging es für Löschgruppenführer Dieter Hennig in den Einsatz. Als Mitglied der Führungsgruppe-Freiwillige Feuerwehr wurde er im Stab benötigt. Gegen 18:00 Uhr erhielten wir den Auftrag, die Feuerwache 9 in Mülheim zu besetzen, da der dort stationierte Löschzug in der Südstadt im Einsatz war und die bereits seit dem Großfeuer am Vormittag dort befindliche Löschgruppe Holweide abgelöst werden sollte. Zwischenzeitlich hatten wir uns schon durch die Medien über die Dimension des Einsatzes Informieren können und jedem war klar, was die nächsten Tage auf uns zu kommen würde.
Die Wachbesetzung war dann im Gegensatz zur Lage in der Südstadt eher ruhig und es musste nur ein Einsatz zwecks Unterstützung des Rettungsdienstes bei einem Baustellenunfall abgearbeitet werden. Gegen 23.:45 Uhr wurde der Löschzug der FW 9 an der Einsatzstelle abgelöst und rückte ein. Für uns war damit der erste Tag „Einsatz-Stadtarchiv" zu Ende.
Schon um 8:00 Uhr am nächsten Morgen löste der Meldeempfänger erneut aus und diesmal ging es, nachdem noch ein kleineres Feuer im Wohnhaus An der Joch 31 bekämpft wurde, direkt zur Einsatzstelle am Waidmarkt. Hier wurden wir mit Kameraden anderer Löschgruppen und Helfern des THW im hinteren, noch unbeschädigten Bereich des Stadtarchivs eingesetzt, um wertvolle Bücher sowie weiteres Archivmaterial in Sicherheit zu bringen.
Über mehrere Stunden wurden hunderte Kartons mit Büchern mittels Menschenkette aus einem Keller befördert. Gegen 18:00 Uhr wurden wir abgelöst und rückten erschöpft zur Unterkunft ein. Am nächsten Morgen ließ uns die Leitstelle etwas länger ausruhen, denn die nächste Alarmierung zum Waidmarkt kam erst gegen 11:00 Uhr. Wir wurden dann zu einem Gelände in Porz beordert, wo eine Sortierstelle für mit Archivmaterial durchsetztem Bauschutt eingerichtet werden sollte. Mit dem sortieren an sich hatten wir nichts zu tun.
Unser Auftrag bestand darin, mittels unseres beheizbaren Dekon-Zelts eine provisorische Unterkunft für die Helfer des Archivs einzurichten. Den Rest des Tages standen wir bis 20:00 Uhr auf der Feuerwache 7 in Porz in Bereitschaft. Freitag und Samstag standen nur noch kurze Einsätze in Zusammenhang mit dem Einsturz an. Zwei Kameraden besetzten unseren Ford-Transit und unterstützten den Stab logistisch als Boten- und Zubringerfahrzeug. Weiterhin waren Löschgruppenführer Dieter Hennig und unser Kamerad Achim Limbach wechselweise im Stab tätig. Nach der Bergung der beiden Todesopfer wurde die Einsatzstelle umstrukturiert und mittels Vorplanung die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr eingeteilt. Erst am 8. April kamen wir dann wieder an der Severinstraße zum Einsatz. Eine Staffel aus 6 Kameraden der Löschgruppe Flittard barg in Zusammenarbeit mit Einsatzkräften des THW und Kameraden von Freiwilligen Feuerwehren aus dem Kreis Heinsberg 12 Stunden lang Archivmaterial aus den Trümmern. Insgesamt leistete die Löschgruppe Flittard 898,5 Einsatzstunden in Zusammenhang mit dem Einsatz am Stadtarchiv.
Mike Paunovich
Bilder freundlicherweise zur Verfügung gestellt durch Ltd. Branddirektor Johannes Feyrer,
Berufsfeuerwehr Köln.
Vielen Dank.
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