Thema des Monats
Betreten von Eisflächen und Eisrettung
Aufgrund der für Köln ungewöhnlich niedrigen Temperaturen über längeren Zeitpunkt sind viele kleinere und größere Gewässer mit einer mehr oder weniger dicken Eisschicht überzogen.
Aufgrund verschiedenster Einflüsse kann die Dicke der Eisdecke an einem Gewässer stark variieren. Gründe hierfür können sein:
- Bodenwärme
- Strömungen
- Zuflüsse warmer Industriegewässer
- Quellen
- Gasbläschen aus schlammigem Grund
- Dünn überfrorene Fischereilöcher
- Ehemalige Einbruchsstellen
- Eisrisse
Das Betreten von zugefrorenen Weihern oder Baggerseen ist grundsätzlich untersagt.
Sollte die Eisfläche dennoch betreten werden müssen, ist höchste Vorsicht angeraten.
Damit Eis trägt muss die Eisfläche durchgängig sein und eine Mindestdicke von ca. 15 - 20 cm aufweisen.
Ist die Eisfläche schneebedeckt, sollte die Eisfläche überhaupt nicht betreten werden. Schnee wirkt wie ein Isolator und sorgt dafür, dass schneebedeckte Eisdecken dünner sind als schneefreie Eisflächen.
Die Eisdecke wächst bei Temperaturen um 0° C schneller als bei -5° C oder tiefer.
Grundsätzlich ist bei eingebrochenen Personen die Feuerwehr und der Rettungsdienst zu informieren.
Je nach Lage des Gewässers ist dies für die Rettungskräfte nicht leicht zu finden. Wenn möglich sind stets ein oder mehrere Einweiser zu postieren, damit die Feuerwehr und der Rettungsdienst schnellstmöglich die Unfallstelle erreicht.
Die größte Gefahr für Personen die ins Eis eingebrochen sind, ist eine starke Unterkühlung.
Die Muskelkraft eines Menschen nimmt rapide ab, ggf. tritt ein Bewusstseinsverlust ein.
Zusammen mit dem Abwärtstrieb durch dicke Winterkleidung führt dies meist schon nach wenigen Minuten unweigerlich zum Ertrinken.
Aus eiskaltem Wasser gerettete Personen sind zumeist mäßig bis stark unterkühlt. Der Blutkreislauf ist zentralisiert, d.h. die wesentlichen Körperfunktionen werden weiter mit Blut versorgt.
Im Körperkern befindet sich warmes Blut wärend sich im peripheren Körper und in den Extremitäten kaltes Blut befindet.
Wird der gerettete zu stark bewegt oder wird zu schnell zu viel Wärme zugeführt, führt dies unter Umständen dazu, dass kaltes Blut in den Körperkern gelangt.
Dies kann zum Aussetzen der lebenserhaltenden Körperfunktionen und damit zum Tode führen.
Daher ist folgendes zu beachten:
- Körper flach lagern.
- Nicht unnötig bewegen
- Zustand des Geretteten überwachen
- Betreuen und Zusprechen
- Person dem Rettungsdienst übergeben
- Beim Fehlen von Puls und Atmung natürlich eine Herz-Lungen Wiederbelebung einleiten
- Eine starke Unterkühlung bedeutet immer eine Lebensgefahr.
Tipps zur Rettung:
1. Selbstrettung
- Versuchen das winterliche Gewässer so schnell wie möglich zu verlassen.
- Versuchen Panik wegen der Schmerzen im Zusammenhang mit dem eiskalten Wasser zu vermeiden.
- Ist das Eis tragfähig, versuchen Sie sich flach auf die Eisfläche zu schieben und robbend das Ufer zu erreichen.
- Trägt das Eis nicht, versuchen Sie das Eis mit Fäusten oder Ellbogen stückweise zu zerbrechen und sich so einen Weg ans Ufer oder zu tragfähigerem Eis zu bahnen.
- Rettungsdienst alarmieren.
Unterkühlungen müssen immer vom Arzt behandelt werden.
Rettung durch eine oder mehrere Helfer
- Bei der Rettung einer im Eis eingebrochenen Person muss der Retter bedenken, dass das Betreten der offensichtlich nicht mehr tragfähigen Eisdecke auch für ihn eine erhebliche Gefahr
darstellt.
- Es ist höchste Eile geboten, da der Eingebrochene sich aufgrund der einsetzenden Unterkühlung icht lange an der Wasseroberfläche halten kann.
- Wird die Rettung vom Ufer aus durchgeführt, versucht man dem Opfer Hilfsmittel wie Bretter, Stangen, Äste, Leitern, Leinen, Teile von Holzzäunen oder ähnlich schwimmfähige Hilfsmittel zu
reichen.
- Muss der Helfer sich dem Verunfallten auf der Eisfläche nähern so darf dies niemals stehend geschehen. Der Retter muß sich flach auf die Eisfläche legen und durch Ausbreiten von Armen und Beinen
versuchen, sein Körpergewicht auf eine größtmögliche Fläche zu verteilen.
- Der Retter sollte stets angeleint sein, notfalls mit einem Abschleppseil oder mit Hundeleinen.
- Hat sich der Retter genügend nah dem Eisrand genähert, sollte dem Verunfallten das Rettungsmittel (Brett etz.) gereicht werden.
- Der Verunfallte sollte dann versuchen sich selbst aufs Eis zu ziehen bzw. durch die Retter auf Eis gezogen zu werden.
Alle Personen die ins Wasser eingebrochen sind müssen rettungsdienstlich versorgt werden.
Unterkühlung
Die Wärmeleitfähigkeit von Wasser ist 27 mal größer als die von Luft. Der Körper eines Verunfallten, der im Eis eingebrochen ist wird sehr schnell Körperwärme verlieren.
Aus Veröffentlichungen ist bekannt, dass bereits ein 15 minütiger Aufenthalt in +2°C - +5°C "warmes" Wasser zum Tode führte obwohl die Geretteten sofort abfrottiert wurden und in warme Decken eingewickelt wurden.
Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt besteht ausserdem noch die Gefahr, einen reflektorischen Herzstillstand zu erleiden, weil der gesamte Organismus übererregt wird.
Medizinisch lassen sich die Grade der Unterkühlung in 3 Phasen einteilen. Die Symptome sind so typisch, dass diese auch vom Ersthelfer diagnostiziert werden können.
Ausschlaggebend für die Abgrenzung der drei Phasen ist die Rektaltemperatur, also die Temperatur die am After gemessen wird.
1. Phase der Unterkühlung, Rektaltemperatur 37° C - 34° C
- Durchfluten des Körpers mit Kälteschauern.
- Starkes Muskelzittern.
- Erhöhte Atem und Herzfrequenz.
- Steigender Blutdruck.
- Ausgeprägtes Schmerzgefühl.
- Blasse Haut.
- Ab 36° C Rektaltemperatur sinkt dann die vorher erhöhte Herzfrequenz stetig ab und führt zur
2. Phase der Unterkühlung, Rektaltemperatur 34° C - 27° C
- Eintretende Muskelstarre.
- Erschwerte Atmung durch Muskelstarre
- Nachlassende Schmerzen
- Unfähig nach Rettungsmitteln zu greifen
- Rufe und Ansprache werden kaum mehr wahrgenommen.
3. Phase der Unterkühlung, Rektaltemperatur 27° C - 22° C
- Lähmungsphase ( bekannt als Scheintod), Atmung und Puls sind kaum mehr wahrnehmbar.
- Verschwinden der Muskelkrämpfe
- Sämtliche Körperreflexe ausgeschaltet
Kälteschutz
| 37° C |
|
| 36° C | Kältezittern |
| 35° C | Verwirrtheit |
| 34° C | Desorientierung |
| 33° C | Apathie (Teilnahmslosigkeit) |
| 32° C | Gedächnislücken einsetzende Bewustlosigkeit |
| 31° C | Pulsunregelmäßigkeiten |
| 30° C |
Einsetzende völlige Bewustlosigkeit, weite Pupillen, keine Muskelreflexe |
| 29° C | |
| 28° C | Herzkammerflimmern |
| 27° C | |
| 26° C | Tod, Wiederbelebung i.d.R. erfolglos |
| 25° C |
Copyright für den Text liegt bei K. Petri
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